Schon wieder ein Jahr vorbei: Ein Hoch auf die Frauen, für diesen einen Tag

Quelle: internationalwomensday.com/IWD2021
Am 8. März ist Weltfrauentag. Alle Medien sind voll davon. Wer das nicht mitbekommt, hat sich zuvor ganz tief eingeigelt.

Schon letztes Jahr habe ich über diesen Tag geschrieben, der in Berlin seit 2019 ein gesetzlicher Feiertag ist - wovon Frauen und Männer gleichermaßen profitieren. Aber hat sich dadurch etwas an der Ungleichbehandlung der Frauen geändert? Soweit ich weiß, nicht.

Seit dem letzten Weltfrauentag hat sich allerdings eine denkwürdige Veränderung ergeben: Tampons und Damenbinden, die seit Jahr und Tag mit 19 % Mehrwertsteuer belegt worden waren, werden seit dem 1. Januar 2020 nur noch mit 7 % besteuert. Dank des Einsatzes vieler Frauen, die die Reduzierung auch mit einer Petition forderten, ist es dazu gekommen. Ganz zu Ende gedacht ist das Thema damit noch nicht, denn den für die Monatshygiene benötigten Kosten kann man nicht ausweichen. An der Stelle ist Schottland schon weiter: Schülerinnen und Studentinnen bekommen die Monatshygieneartikel kostenlos gestellt.

Aber das ist nur ein winziger Baustein auf dem langen Weg zur Gleichstellung. Gestern las ich, dass sich weibliche Landtagsabgeordnete aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen über sexuelle Belästigungen und Beschimpfungen beklagt haben. Sie sind in beiden Landtagen ohnehin in der Minderheit, ist den männlichen Kollegen ihre Anwesenheit bereits auf diesem niedrigen Niveau zu viel?

Immer wieder wird auch die geringe Quote von Frauen in Führungspositionen beklagt. Dabei fällt regelmäßig der Begriff der "gläsernen Decke". Als ich für diesen Text hierzu nach Material gesucht habe, sind mir positive Artikelüberschriften aufgefallen: In einem Beitrag ging es um Geschäftsführerinnen in der Fahrradbranche, in einem anderen um die Chefin der ersten Whiskydestillerie Österreichs. Alle machen einen prima Job, allerdings half ihnen der Umstand, dass sie in bereits bestehende Betriebe ihrer Eltern eingestiegen sind. Diese kannten ihre Töchter und trauten ihnen zu, die Firmen erfolgreich weiterzuführen. Aber die Frage bleibt, ob diese Chefinnen auch dann die Chance bekommen hätten, wenn sie sich als Außenstehende auf eine solche Position beworben und sich in Konkurrenz zu männlichen Bewerbern befunden hätten. Ich lasse diese Frage hier mal so stehen, weil eine Antwort darauf spekulativ wäre. 

Nachdenklich macht dann auch eine Meldung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds vom 7. März 2021. Bislang war man davon ausgegangen, dass der Anteil der Bürgermeisterinnen in Deutschlands Rathäusern bei ca. zehn Prozent liegt. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des EAF unter 1.100 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern in Gemeinden mit mindestens 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ergab nun allerdings, dass lediglich neun Prozent der Rathäuser von einer Frau geführt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau dieses Amt innehat, vergrößert sich bei kleinen Gemeinden - dort werden diese Positionen nur als Ehrenämter vergeben und müssen irgendwie mit der Familie und dem Brotberuf in Einklang gebracht werden. Da, wo es um das engagierte Kümmern für lau geht, sind Frauen wieder mal ganz vorn mit dabei. Kommt uns das nicht ganz bekannt vor?

Genau. In der aktuellen Situation der Pandemie ziehen Frauen, bei allem was mit "Heim" oder "Home" anfängt, regelmäßig den Kürzeren. Da das schon seit Monaten (ohne nennenswerten Erfolg) in den Medien immer wieder durchgekaut wurde, erspare ich mir hierzu eine längere Erläuterung.

Wie lange wird es dauern, bis es normal ist, dass sich ein Paar gemeinsam um die Kinder oder die pflegebedürftigen Angehörigen kümmert? Wann werden auch die überwiegend von Frauen ausgeübten sozialen Berufe, ohne die unsere Gesellschaft untergehen würde, angemessen bezahlt und gewürdigt? Die Liste all dessen, was nicht nur bei uns in dieser Hinsicht schiefläuft, ist sehr lang. So ein Blogtext reicht nicht, um auf das komplexe Gesamtproblem vollständig einzugehen. Aber ich wünsche mir, dass den Männern klar wird, dass die Gleichberechtigung allen zugute kommt und es dabei nicht um eine Bevorzugung der Frauen gegenüber den Männern, sondern um - wie das Wort es bereits sagt - gleiche Rechte für alle geht. Männer, wo ist das Problem? Rote Rosen braucht es dafür nicht.





Kommentare

  1. Ich stimme dir in allem zu. Mittlerweile bin ich sehr genervt von diesem Tag, unter anderem, weil er zunehmend von Männern genutzt wird, die an genau diesem einen Tag, gerne die Chance nutzen, sich medienwirksam als Feminist zu präsentieren.

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    1. ... und das am nächsten Tag vergessen haben. Beim Thema Gleichstellung müssen ganz dicke Bretter gebohrt werden, das betrifft nicht nur die Gleichstellung der Geschlechter, sondern auch andere Bereiche. Aber weil das so ist, ist es wichtig, sich immer wieder zu äußern und zu positionieren und diese Haltung auch zu leben. In diesem Sinne: Ich wünsche dir einen schönen Frauentag! :-)

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