Ich bin gerade zufällig darauf gestoßen, dass heute
ein Welttag ist, nämlich der World Town Planning Day. Der Öffentlichkeit wird an diesem jährlich stattfindenden Aktionstag nahegebracht, welche Ziele und Ideen hinter der Stadt- und Regionalplanung stehen. Auch der Einfluss des Bauens auf das Weltklima spielt eine Rolle. Die American Planning Association (APA) kümmert sich um die Ausrichtung.
Ich sehe mich in meiner näheren Umgebung um: Macht man sich in meiner eigenen Kommune und der benachbarten Landeshauptstadt Gedanken um die Sinnhaftigkeit von Bauprojekten? Das Ergebnis ernüchtert.
Wer über so große Ziele wie das Weltklima nachdenkt, kommt nicht darum herum, zunächst vor der eigenen Haustür mit dem Klimaschutz anzufangen. In meiner Nähe wird eine Straßenbahn gebaut. Die Ausweitung des ÖPNV ist aus Gründen des Klimaschutzes grundsätzlich eine gute Idee. Wer seine Wege vergleichsweise bequem mit der Straßenbahn zurücklegen kann, fährt weniger oder gar nicht mehr mit dem Auto. Der Fahrpreis und die Häufigkeit der Verbindungen sind dann die entscheidenden Faktoren, die zu einer Entscheidung führen, mit den "Öffentlichen" zu fahren oder eben nicht.
Gleichzeitig wird die Ortsumgehung der B3 gebaut. Dieses und das Straßenbahnprojekt sind Maßnahmen, bei denen bis zu ihrer Fertigstellung mehrere Jahre vergehen. Beide Projekte überschneiden sich räumlich. Die Verkehrssituation ist entsprechend übel. Leider ist es nicht immer möglich, die nötigen Pkw-Fahrten nachts zwischen ein und vier Uhr zu machen. Zähe Staus sind zum Normalfall geworden. Der Hinweis, mehr Fahrrad zu fahren, verfängt leider nicht. Viele Radwege sind stark beschädigt, zahlreiche Straßen schlecht oder gar nicht beleuchtet. Shit happens.
Die Ortsumgehung wurde jahrzehntelang diskutiert. Immer wieder wurden neue Bedenken geäußert, bis man dann endlich einen Entschluss fasste. Bislang wälzte sich der Verkehr insbesondere durch zwei nebeneinanderliegende Stadtteile meines Wohnortes. Die Anwohner waren ohne Zweifel stark belastet. Aber das endet ja nun, wenn die Umgehungsstraße fertig ist.
Aber nein, da wurde dann vor einigen Monaten ein neuer Plan aus der Taufe gehoben: Ein Star-Architekt aus der Schweiz plant einen Neubau, der direkt an der heutigen B3 entstehen soll. Es ist ein Doppelhochhaus mit acht bis zehn Etagen vorgesehen, das als "Büroensemble" bezeichnet wird und als Arbeitsplatz für 1.000 Menschen vorgesehen ist. Außer einigen Ratsmitgliedern versteht das kaum jemand. Durch einen groß angelegten Straßenbau soll die Bevölkerung entlastet werden, und kaum ist die Entlastung da, sollen Pendler diese Straße befahren. Aber es wird abgewiegelt: Die Pendler kommen dann alle mit der Straßenbahn. Ich frage mich, ob sie schon wissen, was man von ihnen erwartet.
Doch nebenan in der Landeshauptstadt wird auch nicht mit Blödsinn gegeizt. Ein Platz in der Innenstadt hat es den Planern angetan. Obwohl Klimaexperten immer wieder betonen, dass in Großstädten angesichts der zunehmenden Erwärmung auf eine gute Durchlüftung geachtet werden muss, damit sich die Straßen nicht zu sehr aufheizen, würde man hier gern einen anderen Weg gehen. Ende 2015 wurde bekannt, dass die Stadt den Platz mit zwei großen sogenannten Torhäusern bebauen will, in denen Büros eingerichtet werden sollen. Von einem "Platz" könnte dann keine Rede mehr sein. Das, was da vorgesehen war, hatte Ähnlichkeit mit einer Häuserschlucht.
Ein Sturm der Entrüstung brach los. Bürger starteten eine Online-Petition und auch Architekten und Landschaftsarchitekten bezweifelten die Sinnhaftigkeit dieses Plans. Unter diesem Eindruck wurde eine Bürgerbeteiligung ermöglicht. Es zeichnet sich ab, dass nun das Schlimmste abgewendet und der Platz sehr grün gestaltet wird.
Das Schließen von Baulücken ist in der Landeshauptstadt jedoch beliebt. Dort, wo ich vorher gar keine wahrgenommen habe, werden neue Gebäude hochgezogen. Verkaufte Baugrundstücke und neue Steuerzahler sind wohl attraktiver als freie (Grün-)Flächen.
Ich schlage vor, mal ein paar Experten der APA einzuladen. Dazu muss auch nicht bis zum nächsten 8. November gewartet werden.
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Quelle: Rainer Sturm / pixelio.de |
Ich sehe mich in meiner näheren Umgebung um: Macht man sich in meiner eigenen Kommune und der benachbarten Landeshauptstadt Gedanken um die Sinnhaftigkeit von Bauprojekten? Das Ergebnis ernüchtert.
Wer über so große Ziele wie das Weltklima nachdenkt, kommt nicht darum herum, zunächst vor der eigenen Haustür mit dem Klimaschutz anzufangen. In meiner Nähe wird eine Straßenbahn gebaut. Die Ausweitung des ÖPNV ist aus Gründen des Klimaschutzes grundsätzlich eine gute Idee. Wer seine Wege vergleichsweise bequem mit der Straßenbahn zurücklegen kann, fährt weniger oder gar nicht mehr mit dem Auto. Der Fahrpreis und die Häufigkeit der Verbindungen sind dann die entscheidenden Faktoren, die zu einer Entscheidung führen, mit den "Öffentlichen" zu fahren oder eben nicht.
Gleichzeitig wird die Ortsumgehung der B3 gebaut. Dieses und das Straßenbahnprojekt sind Maßnahmen, bei denen bis zu ihrer Fertigstellung mehrere Jahre vergehen. Beide Projekte überschneiden sich räumlich. Die Verkehrssituation ist entsprechend übel. Leider ist es nicht immer möglich, die nötigen Pkw-Fahrten nachts zwischen ein und vier Uhr zu machen. Zähe Staus sind zum Normalfall geworden. Der Hinweis, mehr Fahrrad zu fahren, verfängt leider nicht. Viele Radwege sind stark beschädigt, zahlreiche Straßen schlecht oder gar nicht beleuchtet. Shit happens.
Die Ortsumgehung wurde jahrzehntelang diskutiert. Immer wieder wurden neue Bedenken geäußert, bis man dann endlich einen Entschluss fasste. Bislang wälzte sich der Verkehr insbesondere durch zwei nebeneinanderliegende Stadtteile meines Wohnortes. Die Anwohner waren ohne Zweifel stark belastet. Aber das endet ja nun, wenn die Umgehungsstraße fertig ist.
Aber nein, da wurde dann vor einigen Monaten ein neuer Plan aus der Taufe gehoben: Ein Star-Architekt aus der Schweiz plant einen Neubau, der direkt an der heutigen B3 entstehen soll. Es ist ein Doppelhochhaus mit acht bis zehn Etagen vorgesehen, das als "Büroensemble" bezeichnet wird und als Arbeitsplatz für 1.000 Menschen vorgesehen ist. Außer einigen Ratsmitgliedern versteht das kaum jemand. Durch einen groß angelegten Straßenbau soll die Bevölkerung entlastet werden, und kaum ist die Entlastung da, sollen Pendler diese Straße befahren. Aber es wird abgewiegelt: Die Pendler kommen dann alle mit der Straßenbahn. Ich frage mich, ob sie schon wissen, was man von ihnen erwartet.
Doch nebenan in der Landeshauptstadt wird auch nicht mit Blödsinn gegeizt. Ein Platz in der Innenstadt hat es den Planern angetan. Obwohl Klimaexperten immer wieder betonen, dass in Großstädten angesichts der zunehmenden Erwärmung auf eine gute Durchlüftung geachtet werden muss, damit sich die Straßen nicht zu sehr aufheizen, würde man hier gern einen anderen Weg gehen. Ende 2015 wurde bekannt, dass die Stadt den Platz mit zwei großen sogenannten Torhäusern bebauen will, in denen Büros eingerichtet werden sollen. Von einem "Platz" könnte dann keine Rede mehr sein. Das, was da vorgesehen war, hatte Ähnlichkeit mit einer Häuserschlucht.
Ein Sturm der Entrüstung brach los. Bürger starteten eine Online-Petition und auch Architekten und Landschaftsarchitekten bezweifelten die Sinnhaftigkeit dieses Plans. Unter diesem Eindruck wurde eine Bürgerbeteiligung ermöglicht. Es zeichnet sich ab, dass nun das Schlimmste abgewendet und der Platz sehr grün gestaltet wird.
Das Schließen von Baulücken ist in der Landeshauptstadt jedoch beliebt. Dort, wo ich vorher gar keine wahrgenommen habe, werden neue Gebäude hochgezogen. Verkaufte Baugrundstücke und neue Steuerzahler sind wohl attraktiver als freie (Grün-)Flächen.
Ich schlage vor, mal ein paar Experten der APA einzuladen. Dazu muss auch nicht bis zum nächsten 8. November gewartet werden.
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