"Bitte lächeln, Sie werden gefilmt"

Ich lese nicht nur gern Krimis, sondern gucke mir auch ebenso gern Krimiserien an. Nicht die schnarchigen, in denen der Kommissar minutenlang die Leiche ansieht und seine Gedanken in die kriminalistische Ferne schweifen lässt, sondern die, bei denen es auch mal knallt. Wenn gefühlt alle fünf Minuten ein Auto in Flammen aufgeht oder in einer Wohnung ein Sprengsatz explodiert, finde ich das allerdings schnell zum Gähnen. Das ist blöde Effekthascherei.

Gut gefallen mir die US-Serien, die "CSI" im Namen
tragen. Da passiert jede Menge und bei jeder Überlegung, wer in welche Straftat verwickelt sein könnte, kann in wenigen Sekunden ermittelt werden, welchen persönlichen Hintergrund eine Person seit ihrer Geburt hat, weswegen sie medizinisch behandelt wurde und wo sie sich gerade aufhält. Erhärten sich die Verdachtsmomente, stürmen die Ermittler los, gern auch mit gezückten Waffen.
In so einer Serie finde ich es spannend, in welch kurzer Zeit man dort zu Erkenntnissen kommt. Ob das in der US-Wirklichkeit tatsächlich so ist, weiß ich nicht. Tatsache ist aber: Die schnellen und breitbandigen Ergebnisse von solchen Datenabfragen sind nur möglich, weil die Überwachung extrem umfassend ist. Bewegungsprofile werden anhand von Kameras an Straßen und Häusern möglich, der Gesundheitsstatus wird durch digitalisierte Krankenakten sichtbar und so weiter. 

Wenn ich das auf die Realität übertrage, sinkt meine Begeisterung dafür so schnell wie ein fallender Stein. Ich habe keine Sympathie für die Vorstellung, dass auf diese Weise mein Leben nachvollzogen und überwacht werden kann. Nicht, weil ich etwas zu verbergen hätte, sondern weil mir das Vertrauen fehlt, dass diese Daten nicht in die falschen Hände gelangen könnten. Dabei reicht meine Vorstellung von solchen "falschen Händen" vom Datenklau durch Hacker bis zum Missbrauch durch eine Regierung oder Regierungsbehörden. Wer weiß schon, wie die politische Landschaft in zehn oder zwanzig Jahren aussieht? 
An die Theorie, dass mehr Überwachung zu mehr Sicherheit führt, glaube ich nicht. Es ist ja nicht so, dass dann, wenn sich mir jemand mit einer gezückten Waffe nähert, das ein anderer auf dem Monitor sieht und mir zu Hilfe eilt. 
Man hat das mal für London, der europäischen Überwachungshauptstadt, in der schätzungsweise 500.000 Kameras installiert sind, untersucht. Ergebnis: Die Verbrechensrate hat sich nicht verändert. Und das, obwohl jeder Lomdoner durchschnittlich 300 Mal pro Tag von irgendeiner Kamera aufgenommen wird, sobald er das Haus verlässt. Eine wahnwitzige Zahl. Und eine überflüssige Maßnahme noch dazu. Die Gleichung "mehr Überwachung heißt weniger Kriminalität" entpuppt sich da als Märchen. Allerdings ohne ein Happy End.
 

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