Ich bin zu alt für den Scheiß!

Ja, ich gucke immer mal wieder auch bei anderen Blogs vorbei. Vor ein paar Tagen ist mir ein Artikel bei Frau Sabienes aufgefallen: Ich bin zu alt für den Scheiß! Meine persönliche Murtaugh-Liste.

Ich hatte keine blasse Ahnung, was diese Murtaugh-Liste sein könnte, aber Frau Sabienes klärt ihre Leser auf: Das Zitat stammt aus der Filmreihe Lethal Weapon und wird vom fünfzigjährigen Polizisten Roger Murtaugh ausgesprochen, der damit gegenüber seinem jüngeren Kollegen seinen Frust zum Ausdruck bringt. Die Serie 'How I Met Your Mother', die ich nie gesehen habe, hat den Spruch dann wieder aufgegriffen.
Die Idee der Murtaugh-Liste wurde von etlichen Bloggern aufgenommen, und da sie mir gefällt, werdet Ihr hier und jetzt erfahren, für welchen Scheiß ich glaube, zu alt zu sein. Zumal ich etwas älter bin als Murtaugh.

Meine (zumindest für heute) definitive Murtaugh-Liste

  • Bis in die frühen Morgenstunden feiern oder was auch immer tun
    Das war früher gar kein Problem. Mir klingt noch die Redewendung "Wer feiern kann, kann auch arbeiten" im Ohr. Am nächsten Tag bis mittags schlafen, weil man erst morgens um 5 nach Hause gekommen ist - Fehlanzeige.
  • Zelten
    Zelten ist schon seit einer Ewigkeit nichts mehr
    für mich. Ich habe für diese Urlaubsform endgültig den Daumen gesenkt, als ich mit Freunden an der spanischen Mittelmeerküste in der Nähe von Barcelona war. Da war ich um die 20. Im Zelt war dauernd Sand, man musste Anlagen benutzen, die mit "Gemeinschafts-" anfangen (wer hier mitgelesen hat, weiß, wie ätzend ich das finde) und man hörte durch die Zeltwände wirklich ALLES, was sich im Zelt nebenan abspielte. Die Nacht über war an Schlaf nicht zu denken, weil sich die pubertierenden Niederländer, die eine Parzelle weiter ihr Zelt aufgeschlagen hatten, jede Nacht eine andere Perle aufgerissen hatten. Und zwar alle Vier! Ehrlich, fragt nicht ... Und morgens um sieben begann das Rentnerehepaar von gegenüber, das mit seiner kleinen Enkelin angereist war, vor dem Wohnwagen laut diskutierend Frühstück zu machen. Nein, vergesst es.
  • Gemocht werden, ganz pauschal betrachtet
    Nein, das soll nicht heißen, dass ich jetzt die Devise "Viel Feind, viel Ehr'" zu meinem Lebensmotto erkoren habe. Mir ist ein bestimmter Kreis von Menschen wichtig, um den ich mich versuche zu kümmern und dessen Meinung ich mir auch anhöre, wenn ich gedanklich im Kreis marschiere. Aber ich lege es nicht auf neue Kontakte an und ich mache nichts mehr zähneknirschend mit, um in einer Gruppe nicht unangenehm aufzufallen. Situationen, in denen man so etwas sehr gut trainieren kann, sind Aufenthalte in Reha-Kliniken. Ich habe dort sehr liebe Menschen kennengelernt, mit einigen von ihnen treffe ich mich auch. Aber ich musste mich gegen so manchen Versuch, mich zu vereinnahmen, wehren. Mehr Bevölkerungsquerschnitt als dort geht nicht. Ehe ich mich dann verbiege, bin ich lieber allein.
  • Die "Ost-West-Denke"
    Was für ein bodenloser Schwachsinn. Ich bemesse
    den Wert eines Menschen nicht danach, ob er aus dem Osten oder Westen Deutschlands stammt. Hüben wie drüben gibt es tolle Leute ebenso wie ausgewachsene Hornochsen. Das macht doch sowieso kein Mensch? Von wegen! Ich blicke mal zurück auf einen Reha-Aufenthalt in einer Klinik in Ahlbeck auf Usedom. Ungefähr drei Viertel der Patienten war aus einem der ostdeutschen Bundesländer angereist. Man hatte dort feste Sitzplätze, und ich wurde nach meiner Anreise einem Tisch zugeteilt, an dem Leute in meinem Alter saßen. Zwei von ihnen grüßten, der Dritte musterte mich von oben nach unten und fragte: "Wo kommst'n her?" "Wie: Wo komme ich her? Was willst du denn wissen?" Ich stand echt auf der Leitung. "Na ja, aus'm Osten oder Westen?!" Alles klar, die Katze war aus dem Sack. Mit möglichst gleichgültiger Miene sagte ich: "Nähe Hannover. Also Westen. Ist das ein Problem?" Er guckte mich verächtlich an: "Allerdings!" Ruckzuck brachte er das Gespräch auf den Schießbefehl an der Mauer und dass früher sowieso alles besser gewesen sei. Meinem Einwand, dass er nicht ernsthaft gutheißen könne, dass Menschen nur deshalb an einer Grenze getötet wurden, weil sie sie überschreiten wollten, begegnete er mit "Na und? War doch kein Problem! Jeder wusste doch, was passierte, wenn man über die Mauer wollte." Meine Tischnachbarinnen, die beide aus dem Osten kamen, und ich sahen ihn entsetzt an. Anschließend machte er mich als Wessi stellvertretend für alles verantwortlich, was in seinem Leben nicht nach seinen Wünschen gelaufen war. Als ich am Ende sagte, dass ich auf diesen Ost-West-Quatsch keine Lust habe und wir alle Deutsche sind, zuckte er nur mit den Achseln und redete bis zu seiner Abreise kaum noch ein Wort mit mir. War nicht wirklich ein Verlust.
  • Achterbahn, Musikexpress, Polyp & Co. auf Volksfesten
    Damit hatte ich früher überhaupt kein Problem.
    Aber heute muss ich mir dieses Rauf und Runter, Kreiseln und Schleudern nur ansehen und mir wird schlecht. Ich finde das total schade, aber das ist nun mal so. Nur Riesenrad, das geht noch. Immerhin.
  • Sämtliche Fast-Food-Läden
    Behaltet Euren Dreck. Lieber schiebe ich eine Weile Kohldampf, als mir das anzutun. 
  • Modetrends
    Sie gehen spurlos an mir vorbei. Morgen kurz, übermorgen wadenlang? Diesen Sommer geringelt, dafür im Winter Glitzer? So etwas ist mir völlig wurscht.
  • Politik für etwas halten, das mich nichts angeht
    Auch, wenn wir Politik nervig und Berufspolitiker grundsätzlich für Fehlbesetzungen halten: Demokratie lebt vom Mitmachen. Klingt irgendwie abgeschmackt, ist aber so.

    So, das ist sie, meine Murtaugh-Liste. Wenn ich ein bisschen überlege, wird sie bestimmt noch länger. Habt Ihr auch ein paar Dinge, über die Ihr sagt "Nö, für den Scheiß bin ich zu alt"? Mich würde wirklich interessieren, was das ist.


Kommentare

  1. Deiner Liste schließe ich mich hundertprozentig an, wobei ich gestehen muss, dass ich solche Späße wie Zelten und Achterbahnfahren erst gar nicht ausprobiert habe.

    Habe lange überlegt. Ergänzen kann ich eigentlich nichts. Außer: Silvester mit zwei Freundinnen zu verbringen, von denen die eine sich gerade voller bitterster Entrüstung von ihrem Mann getrennt hat, die andere darüber jammert, dass sie sich chronisch in die falschen Männer verliebt, und beide sich fürs neue Jahr nur eins wünschen, nämlich endlich DEN Mann fürs Leben zu finden. Da würde ich den Jahreswechsel lieber alleine verbringen. Ist wesentlich amüsanter.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh nein, das klingt ja furchtbar! Wir waren die letzten Jahre mit unseren Kindern und deren Partnern in einem Ferienhaus an der Ostsee. Das war schön. Dieses Jahr machen wir es uns zu zweit gemütlich.

      Löschen
  2. Hallo Ina! Schön, dass du mitgemacht hast!
    Feiern bis in die Puppen packe ich auch nicht mehr so, aber gegen das Zelten habe ich nichts, so lange es nicht mehrere Tage dauert. Ähnliche Szenen, wie du sie schilderst und die zur sexuellen Aufklärung dienen könnten, haben wir mal als Schattenspiele in einem benachbarten Hauszelt beobachten können. ;-)
    Dieses Erlebnis, dass du in Usedom hattest, gibt einem schon zu denken. Man Leute einfach mögen oder auch nicht, egal wo sie herkommen.
    LG
    Sabienes

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Tja, der Meinung bin ich auch. Aber es ist wohl "praktisch", Menschen sofort in eine Schublade zu stecken; dann hat man keine Last damit, sich näher mit ihnen beschäftigen zu müssen.
      LG, Ina

      Löschen
  3. Ost-West ist eine Sache, Nord-Süd eine andere. Ich muss nicht jede Mentalität mögen, aber schon gar nicht alles auf die ehem. Grenze schieben.

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Ina,
    Deppen gibt es wirklich überall! Ich bin mal von einer Dame in spitzem Ton auf unserer Busreise gefragt worden: "Sagen sie mal, wo sie herkommen, sprechen da alle so?" Ich bin ziemlich auf dem Schlauch gestanden. Ich bin aus Rheinland-Pfalz, meine Mama aus Bayern. Eigentlich bilde ich mir ein keinen strengen Dialekt zu haben. Was soll's. Besagte Dame war etwas hochnäsig. Sie würde normalerweise nur mit Studiosus fahren, da sei aber kein Platz frei gewesen. Die hat den Reiseleiter die meiste Zeit für sich allein beschlagnahmt und wollte immer eine Sonderbehandlung.

    Finde die Aktion mit der Murtaugh-Liste lustig. Habe mir auch Gedanken dazu gemacht.

    Liebe Grüße
    Renate

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Renate,
      es muss irgendwo einen geheimen Baum geben, auf dem solche Bekloppten wachsen :D Ich fange manchmal spontan an zu lachen, wenn Leute Dinge von sich geben, die zu arrogant oder absurd sind. Damit können die gar nicht umgehen.
      Bitte gib mir Bescheid, wenn Deine Murtaugh-Liste fertig ist. Ich bin schon sehr gespannt!
      Viele Grüße, Ina

      Löschen
    2. Liebe Ina,

      der ist gut mit dem Baum! Das muss ein ganzer Wald sein! :-) Ich war noch jung damals und zu platt, um zu antworten. Heute würde ich wohl etwas anderes sagen. Meine Liste hast du ja gesehen.

      Liebe Grüße
      Renate

      Löschen

Kommentar posten

Und hier ist Platz für deinen Kommentar: