
Seit mehr als 30 Jahren bin ich Autofahrerin. Ganz überwiegend gern. "Ganz überwiegend" heißt aber auch: Die Phasen, in denen ich es nicht mehr gern tue, werden häufiger und dauern länger.
Ich wohne in einer Kleinstadt südlich von Hannover. Die Landeshauptstadt verfügt in allen vier Himmelsrichtungen über Straßen, die es normalerweise möglich machen, wenigstens außerhalb der Rush-Hour schnell vorwärts zu kommen: mehrere Autobahnen und im Süden und Westen sogenannte Schnellwege. Aber als hätte es eine geheime Absprache der für Straßen und Brücken zuständigen Götter gegeben, scheinen praktisch alle asphaltierten Straßenbeläge und Brückenträger auf einen Schlag marode geworden zu sein. Eine der Schnellweg-Brücken darf nur noch in der Mitte befahren werden und wird von einer unterseitigen Konstruktion gestützt, die in monatelanger Arbeit hergestellt worden ist. Irgendwann wird man sie abreißen und durch etwas anderes - was, das steht noch in den Sternen - ersetzen. Eine Brücke auf einem anderen Schnellweg darf seit Monaten nicht mehr von Lkws befahren werden. Sie müssen die Straße verlassen, einen unter der Brücke verlaufenden Verkehrskreisel nutzen und dann hinter der Brücke wieder auf den Schnellweg auffahren. Das sind nur einige Beispiele, die sich in gesperrten Auf- und Abfahrten, reichlich Straßensanierungen und dergleichen fortsetzen lassen. Alles gleichzeitig. Das nervt alle: sowohl Autofahrer, die ständig in Staus stehen oder haarsträubende Umwege fahren müssen, als auch Radfahrer und Fußgänger, für die es noch enger wird, weil sich Autofahrer "geheime" Schleichwege suchen, um an ihr Ziel zu kommen und dann die innerstädtischen Straßen, die für so eine Belastung gar nicht ausgelegt sind, immer voller werden. Für die schwächsten Verkehsrteilnehmer wird es natürlich auch zunehmend gefährlicher, unterwegs zu sein.
Kürzlich hatten wir Besuch, der aus Göttingen bzw. aus dem Nordosten der Region Hannover kam. Nach Göttingen benötigt man normalerweise etwa eineinhalb Stunden, in
den Ort bei Hannover von hier aus eine dreiviertel Stunde. Für die Rückfahrt nach Göttingen hat unser Besuch abends drei Stunden bzw. in den Nordosten der Region eineinhalb Stunden gebraucht. Warum? Weil die Strecken voller Baustellen oder Straßensperrungen waren. Die meisten davon, weil die Autobahn bzw. die Bundesstraße saniert werden. Ich werte es als ein Versagen der öffentlichen Hand, die Infrastruktur über Jahrzehnte hinweg so schlecht unterhalten zu haben, dass ihr das mit den zahllosen Baustellen und Sperrungen nun auf die Füße fällt. Als geheimer Plan, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, kann das auch nicht gesehen werden, weil die Deutsche Bahn sich im Hinblick auf ihre Verspätungen und Ausfälle in den letzten Jahren nicht mit Ruhm bekleckert hat. Und das wird so weiter gehen, weil es immer neue Meldungen über reparaturbedürftige Straßen und Brücken gibt und die großen Maßnahmen sich über Jahre hinziehen werden. Ich hoffe, dass die öffentliche Hand daraus lernt und weder für die Neu- und Sanierungsarbeiten die billigsten Firmen beauftragt noch es wieder versäumt, ihre Bauwerke kontinuierlich zu unterhalten und sie nicht wieder verrotten zu lassen.

Empfinde nur ich das gerade als besonders anstrengend oder läuft es bei Euch genauso?
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